So klug als wie zuvor

Gestern beim Landgericht, Zivilkammer, Einzelrichterin.
Der Fall enthalte komplizierte Probleme. Aha. Wie diese zu bewerten seien, keine Antwort. Es sei ja der gesetzlich vorgeschrieben Gütevorschlag zu machen. Lustlos mal was vorgeschlagen. Konnte keinen überzeugen. Argumente nicht gehabt. Weiter rumgestochert und -geeiert.  Anträge stellen lassen. VT bestimmt (in sechs Wochen).  Wolle prüfen, ob die von einer Partei vorgelegte BGH-Entscheidung „1:1“ passt.
Was werden wird? Völlig offen!
Über den Sinn des Termins gerätselt.

Am besten lässt man’s gleich ganz sein, so wie neuerdings in gefühlten 99 % der Berufungen in Zivilsachen. Oder in strafrechtlichen Revisionen. Aber da ist wenigstens mindestens eine oft intensive Hauptverhandlung vorausgegangen. Mündliche Verhandlungen sind doch nur lästig. Wenn man die Parteien und deren Anwälte gar nicht erst sieht, lebt es sich viel besser. Im Elfenbeinturm, im Wolkenkuckucksheim. Es entscheidet sich auch viel leichter, am grünen Tisch. Vor allem Abstand braucht die Justiz, Distanz!

5 Gedanken zu „So klug als wie zuvor

  1. BV

    Ich habe kürzlich einer mündlichen Verhandlung beim AG Hamburg beigewohnt, die einschließlich Saalaufschließen und -betreten, Plätze finden, Begrüßung, Band (lange) zurückspulen, der Frage, ob einer der Anwälte zu einer bestimmten Kanzlei gehöre und dem Feststellen, dass das ja auch gar nicht sein könne, dem Stellen der Anträge und etwas Smalltalk über das streitbefangene Rechtsgebiet im Rausgehen allenfalls zwei oder drei Minuten gedauert hat. Manche mündliche Verhandlungen sind wirklich für die Katz.

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  2. Landrichterlein

    Deswegen versuchen wir es in unserer (Spezial-)Kammer anders – besser – zu machen und die Sachen gut vorzubereiten, damit man rechtliche Fragen auch diskutieren kann (und nicht beim ersten Argument oder der ersten nicht passenden, aber trotzdem zitierten, BGH-Entscheidung ins Schwimmen kommt). _Manchmal_ mag es aber sein, dass wegen eines abgesoffenen Dezernats oder aus anderen Gründen die erforderliche Vorbereitung einfach nicht hingehauen hat. Ob das bei genau der Richterin wiederholt so war, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Was das jetzt aber mit „Elfenbeinturm“ und „Wolkenkukucksheim“ zu tun hat, erschließt sich mir nicht so ganz.

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